Galerie Ruth Sachse | Bastian Raiss
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Bastian Raiss

Bastian Raiss

Meine „Erklärungen“ zu meinen eigenen Werken sind bisweilen etwas zögerlich, wenn nicht gar ungelenk formuliert. Na klar, es könnte auch an der jeweiligen Tagesform liegen, Schwankungen können gar extrem ausfallen. Aber auch in Bestform habe ich keine festgelegten Erklärungen zu den Bildern mit denen ich hunderte,  wenn nicht gar tausende von teils intimsten Stunden verbracht habe. Betrachte ich eine  fertige Arbeit, ist es fast so, als ob ich die  Bilder eines anderen Menschen betrachten würde, analysieren müsste. Eines Menschen den ich vielleicht recht gut kenne, dessen essentielles Wesen mir jedoch nur fragmentarisch bekannt ist. So kann es denn passieren, so ist es schon oft passiert, dass ich heute eine Geschichte erzähle, morgen mit einer anderen daherkomme. Und dennoch, keine der Geschichten ist falsch. Dieses Verhalten mag inkohärent erscheinen, denn die Werke wirken ja so durchdacht, so präzise in ihrer Ausführung. Ganz falsch ist das natürlich nicht, aber das Denken und Planen spielt sich auf einer nicht-deutenden, nicht-analysierenden Ebene ab. Die Zeichnung, viele Zeichnungen sind die Basis für all das was folgen mag. Ich sitze, nur mäßig inspiriert, im Atelier. Bleistift in der Hand. Im Chaos des Ateliers befinden sich Werkzeuge und Lampen, Fotoapparate, Plastikspielzeug, ein fast vergammelter Apfel, aufgeschlagene Seiten von Kunstbänden oder Comics, verdurstende Pflanzen, zwei Turnschuhe, usw. Ich nehme mir die Schraubzwinge vor, von oben, seitlich, mit stark verkürzter Perspektive. Es kann noch in derselben Nacht passieren, es könnte aber auch Monate später sein, dass die Banane hinzukommt. Auf einmal kann es dann den berühmten „Click“ geben. Das könnte ja ein starkes, ein interessantes, ein mysteriöses Bild geben. Ich versuche nun ganz bewusst, jegliche Deutung oder Erklärung raus zu halten. Jetzt und für alle darauf folgenden Schritte. Käme eine, würde es wie der Eisberg auf die Titanic wirken, die Idee wäre tot, der Reiz weiter zu machen erloschen. Kann es sein, dass es irgendwo noch ein halbes Dutzend skizzierter Mikrofone gibt, Jahre alt, für andere Projekte verwertet? In der Tat, man schneide ein Mikrofon raus und schiebt es neben die Schraubzwinge, der Banane hin und her. Ergibt doch Sinn, oder? Kann sein, dass das gleiche vorher mit einer Frosch- oder Bügeleisenskizze passiert ist. Wäre aber Quatsch gewesen, es hätte der inneren Logik entbehrt. Und weiter geht es, im selben Gestus. Eines sei allerdings zu gestehen: sie stammt wohl von Oscar Wilde, die Aufforderung von „Wenn du  sie schon nicht überzeugen kannst, so versuche doch wenigstens, sie zu verwirren“. Eine Einstellung, der vielleicht etwas Pubertäres anhaftet, aber wenigstens zähle ich, wenn das Werk denn wirklich gelungen ist, auch zu den Verwirrten. Wenn die Riege der Darsteller, in diesem Beispiel kam ja noch die Lampe  hinzu, komplett ist, fängt die Arbeit erst richtig an. Es muss daraus ein gutes Bild entstehen. Bei allen darauf folgenden Schritten geht es um Farbe; Komposition, Linie, Schönheit, dem Brechen der Schönheit, dem Versuch, einer der Idee innewohnenden Perfektion zu erreichen. Aber davon vielleicht später.

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